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Studienreise

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TATORT FLORENZ

Zwar sind wir ihm nicht begegnet, aber wir waren auf seinen Spuren und ihm manchmal vielleicht gar dicht auf den Fersen, dem Kommissar Guarnaccia aus den Kriminalromanen von Magdalen Nabb.
Allerdings sei gleich gesagt, um keine falschen Vorstellungen zu wecken: Florenz ist ein friedliches Pflaster; bei den von uns besuchten Tatorten handelt es sich um Orte guter Taten; von Verbrechen haben wir jedenfalls nichts bemerkt, und Guarnaccia war darum wahrscheinlich gar nicht im Dienst, sondern privat unterwegs nach Santa Maria del Fiore und zum Schokoladenmarkt.
Doch von vorne: „Andiamo a Firenze“ hiess unser Motto. Im Schwerpunktfach Italienisch besteht in der 4. Klasse die Möglichkeit, eine Studienreise nach Florenz zu unternehmen. Zwar machte wieder einmal der „Cisalpino“ nicht mit – in Mailand wurde uns eine halbe Stunde vor der Abfahrt mitgeteilt, dass der Zug ausfalle – doch mit viel Glück und dank der Improvisationskunst des italienischen Zugs- und Bahnhofspersonals durften wir ohne Zuschlag auf die schnelle „Freccia rossa“ umsteigen und erreichten so nach insgesamt sieben Stunden Bahnfahrt unsere Destination.
Wir bewohnten ein Hotel, das zu Fuss zehn Minuten vom historischen Zentrum entfernt liegt, und so konnten wir noch am Tag der Ankunft zu einem ersten Erkundungsspaziergang aufbrechen. Schmale Gassen, kleine Märkte, Bars, eine Vielfalt an Läden, auf den Strassen und Plätzen eine bunte Menschenmenge zeigten, dass die berühmte Kulturmetropole kein Museum, sondern eine vitale Stadt ist. Der Blick auf den Dom im Abendlicht ist unvorstellbar bezaubernd, die Piazza della Signoria lässt die einstige Macht des Stadtstaates erahnen, die vielen Bijouterien auf der mittelalterlichen Brücke über den Arno erklären, warum man in Italien einer Frau, die zu üppig mit Schmuck behangen ist, nachsagt: „E` come il Ponte Vecchio“.
Fast jedes Italienisch-Lehrbuch behandelt schon mit den ersten Lektionen die italienische Küche und lobt sie meist als eine der besten der Welt. Die Speisekarten vor den Restaurants sowie der Duft von Pizza, Lasagne, Bistecca di maiale und Tiramisù, der da und dort über den Gassen schwebte, liessen erahnen, dass die kulinarischen Lobeshymnen nicht übertrieben sind.
Besonders gespannt waren wir auf unseren Besuch bei einer Klasse des altphilologischen Gymnasiums „Liceo Galileo Galilei“, das sich im Zentrum der Altstadt befindet. Die Englischlehrerin Sibilla Mischi ermöglichte uns die Teilnahme an Philosophie- und Englischlektionen und damit einen Einblick in den Schulalltag. Die SchülerInnen der 4c stellten fest, dass ihre Gleichaltrigen in Italien zum Teil unter sehr viel schwierigeren Bedingungen die Maturaprüfung anvisieren müssen, besonders nach den berlusconischen Sparübungen.
Ebenso beeindruckend waren die Kontakte mit der Partnerklasse ausserhalb der Schulstunden in einem Jugendzentrum. Unsere SchülerInnen konnten dabei auf ihre erworbenen Sprachkenntnisse zurückgreifen und feststellen, wie sehr das Beherrschen einer Fremdsprache ein Fenster ist, „das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet“. Wir hoffen, dass es der italienischen Klasse möglich sein wird, uns im nächsten Frühjahr einen Gegenbesuch abzustatten.
Fazit: In vieler Hinsicht zeigte sich uns Italien von seiner sprichwörtlichen Seite: vorzügliches Essen, ein Überangebot an kulturellen Höhepunkten, freundliche Menschen und schliesslich auch auf der Rückfahrt das schon fast sprichwörtliche Versagen des „Cisalpino“. So wurde die gelungene Reise für alle Beteiligten zu einem eindrücklichen Erlebnis. Dank der finanziellen Beiträge des Fördervereins Bäumlihof und des ULEF blieben die Kosten für das Unternehmen in einem erträglichen Rahmen. Tante grazie!
V. Rey
 
 
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